Gilt ein mündlicher Arbeitsvertrag? | Rechtsanwältin G. Lippert
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MÜNDLICHER ARBEITSVERTRAG

Mündlicher Arbeitsvertrag

In einigen Branchen werden Arbeitnehmer noch immer per Handschlag eingestellt. Einen ausformulierten Arbeitsvertrag erhalten sie nicht. In vielen Fällen erhalten sie nicht einmal den gesetzlich vorgeschriebenen schriftlichen Nachweis, der nach dem Nachweisgesetz alle wesentlichen Vertragsbedingungen beinhalten soll. Die Mitarbeiter arbeiten dann einfach entsprechend der Vereinbarung und bekommen ihr Geld – ein mündlicher Arbeitsvertrag. In früheren Zeiten gab es dies sehr viel, heute wird dieses Vorgehen immer seltener.

Arbeitsvertrag lässt sich ohne schriftlichen Vertrag leicht nachweisen

Solange es keine Streitigkeiten gibt ist alles gut. Gibt es Probleme mit Lohn, Urlaub, Kündigung, Weihnachtsgeld oder anderem denken viele Arbeitnehmer, anwaltliche Hilfe würde nichts bringen, weil sie nicht mal einen Arbeitsvertrag hätten. Weit gefehlt: Ein Arbeitsvertrag ist nicht formbedürftig. Ein mündlicher Arbeitsvertrag ist also genauso gültig wie ein schriftlicher Arbeitsvertrag. Auch dass überhaupt ein Arbeitsvertrag besteht, ist meist leicht nachzuweisen – immerhin wurde der Arbeitnehmer seit einem bestimmten Anfangsdatum für seine Arbeit bezahlt. Auch die Tatsache, ob Kündigungsschutz nach dem Kündigungsschutzgesetz besteht, ist leicht nachvollziehbar.

Nachweis einzelner Arbeitsbedingungen 

Schwieriger wird der Nachweis für den Arbeitnehmer eventuell bei der Anzahl der vereinbarten Urlaubstage, bei versprochenen Gehaltserhöhungen, die nirgendwo festgehalten wurden, bei vereinbarten Arbeitszeiten und vielem mehr. Häufig lässt sich jedoch durch Zeugen, Parteivernehmung oder durch andere Umstände nachweisen, wie die mündliche Vereinbarung lautete. Außerdem gibt es zum Schutz der Arbeitnehmer stets die Deutschen Gesetze. Diese regeln die Mindestbedingungen eines Arbeitsverhältnisses. Beispielsweise muss ein Arbeitgeber mindestens 24 Urlaubstage bei einer 6-Tage-Woche gewähren, dies bedarf weder einer mündlichen noch einer schriftlichen Regelung.

Es lohnt sich daher im Fall einer Kündigung oder Auftauchen anderer Probleme, die für „unberechtigt“ gehalten werden, genauso einen Rechtsanwalt aufzusuchen wie bei Vorliegen eines schriftlichen Arbeitsvertrags!

Befristung muss zwingend schriftlich vereinbart werden 

Übrigens: die Befristung eines Arbeitsvertrages bedarf zwingend der Schriftform. Wurde also mündlich ein Arbeitsvertrag mit einer bestimmten Laufzeit – beispielsweise ein 1-Jahres-Vertrag – geschlossen hat dies zur Folge, dass der Arbeitsvertrag wirksam geschlossen wurde, die Befristung wegen der Formbedürftigkeit jedoch nicht. Es besteht dann ein unbefristeter Arbeitsvertrag.